Erklärt · Biotika

Postbiotikum vs. Probiotikum: die Unterschiede, die Ihr Produkt entscheiden.

Lebend oder inaktiviert. Diese eine Entscheidung legt Format, Prozess und Etikett fest.

Ein Probiotikum ist ein lebender Mikroorganismus; ein Postbiotikum ein inaktivierter. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, und es verändert fast alles, was danach kommt: welche Formate möglich sind, ob das Produkt die Pasteurisation übersteht, wie es gelagert wird, wie der Gehalt gemessen wird und was auf dem Etikett stehen darf. Dieser Erklärtext geht jeden Punkt durch und gibt dann eine einfache Entscheidungshilfe.

Kurz gesagt

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, gezählt in KBE; sie brauchen kühle Lagerung, verlieren über die Haltbarkeit an Keimzahl und überstehen weder Pasteurisation noch Backen oder saure Getränke. Postbiotika sind inaktivierte Mikroorganismen, gezählt in Zellen pro Gramm oder Milligramm; sie überstehen Hitze und niedrigen pH, lagern jahrelang bei Raumtemperatur und passen in jedes Format. Probiotika haben die größere Evidenzbasis; keine der beiden Kategorien hat eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe in der EU.

Definitionen

Dieselbe Familie, zwei verschiedene Zutaten.

Probiotikum

Lebende Mikroorganismen, die, in ausreichender Menge verabreicht, dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen verleihen (FAO/WHO 2001, bestätigt durch ISAPP 2014). Der Gehalt ist die Zahl lebender Zellen, angegeben als KBE (koloniebildende Einheiten) pro Dosis, und er muss bis zum Ende der Haltbarkeit gehalten werden.

Postbiotikum

Eine Zubereitung aus unbelebten Mikroorganismen und/oder ihren Bestandteilen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen verleiht (ISAPP 2021). Die Zellen werden gezielt inaktiviert, meist durch Hitze, und der Gehalt wird als inaktivierte Zellen pro Gramm oder als Milligramm Pulver angegeben.

Präbiotikum und Synbiotikum, der Vollständigkeit halber

Ein Präbiotikum ist ein Substrat, typischerweise ein Ballaststoff, das von Mikroorganismen des Wirts selektiv genutzt wird. Ein Synbiotikum kombiniert lebende Mikroorganismen mit einem Substrat. Beide sind nicht Thema dieser Seite, werden von Einkäufern aber oft verwechselt.

Lebende probiotische Kultur in einer Petrischale neben einem Glas mit trockenem Postbiotika-Pulver
Links: eine lebende Kultur, gezählt in KbE. Rechts: ein Postbiotikum, eine stabile trockene Zutat, gezählt in Zellen pro Gramm.
Im Vergleich

Neun Unterschiede, die in der Entwicklung zählen.

FrageProbiotikum (lebend)Postbiotikum (inaktiviert)
Wie wird der Gehalt angegeben?KBE pro Dosis, mit einem Overage zur Abdeckung der VerlusteZellen pro Gramm (Durchflusszytometrie) oder mg Pulver
Übersteht es Hitze?Nein: Pasteurisation, UHT, Backen und Extrusion töten es abJa: bereits inaktiviert, keine Lebensfähigkeit, die verloren gehen kann
Saure oder feuchte Produkte?Keimzahl sinkt in Säften, Joghurtdrinks, FruchtgummisStabil über pH und Wasseraktivität hinweg
LagerungOft kühl oder gekühlt; KBE nimmt mit der Zeit abRaumtemperatur; typische Haltbarkeit 24–36 Monate
Mögliche FormateKapseln, Sticks, einige gekühlte MilchprodukteAlle: Getränke, Milchprodukte, Speiseeis, Backwaren, Riegel, Fruchtgummis, Kapseln
ProduktionGefriergetrocknete Kulturen, trocken und kühl gehandhabtSprüh- oder gefriergetrocknetes Pulver, gehandhabt wie jede trockene Zutat
EvidenzJahrzehnte stammspezifischer HumanstudienKleiner, aber wachsend; muss für die inaktivierte Zubereitung erhoben werden
SicherheitsprofilLebende Zellen: ein Aspekt bei vulnerablen GruppenKeine lebenden Zellen: oft das Argument für Säuglings-, klinische und Tieranwendungen
EU-Etikett„Probiotikum“ in einigen Mitgliedstaaten geduldet, nicht in DeutschlandKeine EU-Position zu „Postbiotikum“; von gleicher Behandlung ausgehen
Zählung

KBE und Zellen pro Gramm sind nicht dieselbe Zahl.

Eine Probiotikum-Spezifikation nennt zum Beispiel 10 Milliarden KBE pro Kapsel am Ende der Haltbarkeit. Um dorthin zu kommen, füllt der Hersteller bei der Produktion mehr ab, den Overage, weil Lebendkeimzahlen sinken. Das CoA jeder Charge zeigt die KBE bei Freigabe.

Ein Postbiotikum lässt sich nicht in KBE zählen, weil die Zellen auf einer Platte nicht wachsen. Stattdessen nennt die Spezifikation inaktivierte Zellen pro Gramm, gemessen per Durchflusszytometrie, oder schlicht die Milligramm Pulver pro Portion. Das CoA zeigt außerdem eine maximale Rest-Lebendkeimzahl, die belegt, dass der Inaktivierungsschritt funktioniert hat.

Eine praktische Konsequenz: „10 Milliarden“ auf einem Probiotikum und „10 Milliarden“ auf einem Postbiotikum beschreiben verschiedene Dinge und lassen sich nicht eins zu eins vergleichen. Lesen Sie die Methode in der Spezifikation.

Entscheidungshilfe

Welches für Ihr Produkt?

01

Kapseln oder Sticks, trocken, gekühlte Lieferkette

Beide funktionieren. Wählen Sie das mit der stärkeren Evidenz für Ihre Positionierung. Eine Kombination ist üblich: ein lebender Stamm plus ein Postbiotikum in derselben Kapsel.

02

Getränke, Milchprodukte, Speiseeis, Backwaren, Riegel, Fruchtgummis

Postbiotikum. Der Prozess oder die Matrix würde eine lebende Kultur abtöten, und ein Produkt, das seine aktive Zutat vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum verliert, ist kein Produkt.

03

Lange Haltbarkeit bei Raumtemperatur, Export in warme Märkte

Postbiotikum oder ein sporenbildendes Probiotikum. Gefriergetrocknete Laktobazillen verlieren bei 30 °C und darüber schneller an Keimzahl.

04

Eine Positionierung, die auf einem benannten, untersuchten lebenden Stamm aufbaut

Probiotikum. Behalten Sie den Stamm, schützen Sie ihn mit der richtigen Kapsel, Verpackung und dem passenden Overage, und schreiben Sie den Stabilitätsplan in die Spezifikation.

FAQ

Postbiotikum vs. Probiotikum, beantwortet.

Ist ein Postbiotikum besser als ein Probiotikum?

Keines ist generell besser. Ein Probiotikum hat die größere Evidenzbasis und braucht ein Format und eine Lieferkette, die es am Leben halten. Ein Postbiotikum ist die einzige Option für hitzebehandelte oder saure Produkte und für lange Haltbarkeit bei Raumtemperatur. Die richtige Wahl hängt vom Produkt ab.

Kann aus einem Probiotikum ein Postbiotikum werden?

Nur durch einen kontrollierten Inaktivierungsschritt mit Belegen, die für die inaktivierte Zubereitung erhoben wurden. Ein Probiotikum, das schlicht in der Flasche abgestorben ist, ist kein Postbiotikum.

Kann ich beide in einem Produkt kombinieren?

Ja. Kapseln und Sticks, die einen lebenden Stamm mit einem Postbiotikum kombinieren, sind üblich. Das Postbiotikum trägt nichts zur KBE-Zahl bei, daher werden beide getrennt deklariert.

Haben Postbiotika Nebenwirkungen?

Inaktivierte Zellen tragen nicht das Infektionsrisiko, das bei lebenden Zellen für vulnerable Gruppen diskutiert wird. Verträglichkeitsdaten stammen aus den Studien zur jeweiligen Zubereitung; ein Lieferant sollte sie vorlegen können.

Welche Lebensmittel enthalten Postbiotika?

Jedes hitzebehandelte fermentierte Lebensmittel enthält inaktivierte Bakterien, zum Beispiel gebackenes Sauerteigbrot oder pasteurisiertes Sauerkraut, aber nicht in definierter, quantifizierter Form. Eine postbiotische Zutat ist eine definierte Zubereitung mit Spezifikation.

Darf ich „Probiotikum“ oder „Postbiotikum“ auf ein EU-Etikett schreiben?

Die Kommission wertet „Probiotikum“ als implizite gesundheitsbezogene Angabe; Italien, Spanien, Dänemark, die Niederlande, Tschechien und Polen dulden es für lebende Stämme unter Bedingungen, Deutschland nicht. Zu „Postbiotikum“ gibt es keine EU-Position; die sichere Annahme ist die gleiche Behandlung.

Sprechen Sie mit uns

Ein Gespräch. Ein Verantwortlicher.

Schreiben Sie uns ein paar Zeilen zu Ihrem Produkt: Darreichungsform, Markt, ungefähre Menge. Mindestmengen: 500 Einheiten pro Artikel bei Sporternährung, 60.000 Kapseln oder 300.000 Stick-Sachets bei Probiotika, probiotische Bulk-Kulturen ab 50 kg. Sie erhalten innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

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Ihr AnsprechpartnerWladimir ChapiroGeschäftsführer, Nordic Life Systems oder per E-Mail c@nordiclifesystems.com
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